St. Wendelin (Herbolzheim)

Die Kirche St. Wendelin war die älteste Kirche in Herbolzheim, einem Ortsteil der Gemeinde Neudenau im Landkreis Heilbronn. Sie befand sich am rechten Ufer der Jagst im heutigen Friedhof. Der Turm der Kirche wurde 1784 wegen Baufälligkeit abgerissen, das im 14. Jahrhundert erneuerte Langhaus 1825. Von der Kirche hat sich eine in der Friedhofsmauer vermauerte gotische Nische erhalten, in der einst eine als Totenmännle bekannte Holzfigur verwahrt wurde.
Der älteste neuzeitliche Siedlungskern von Herbolzheim befand sich am rechten Jagstufer. Dort entstand auch die erste Kirche des Ortes. Während man den Ort nach den Ungarneinfällen im frühen 10. Jahrhundert auf einen Höhenzug am gegenüberliegenden linken Jagstufer verlegt hat, blieben der Friedhof und die Kirche auf der rechten Uferseite erhalten. Die Kirche St. Wendelin war älter als der sie umgebende Friedhof, da das ursprüngliche Begräbnis etwas weiter westlich stattfand und man den heutigen Friedhof bei der Kirche erst um 1200 angelegt hat.
Über das Aussehen der Kirche und ihre Baugeschichte ist nur wenig bekannt. In Analogie zur Gangolfskapelle in Neudenau nimmt man an, dass der Turmsockel der älteste Bauteil der Kirche war und noch aus der Zeit der Romanik stammte. Über das Langhaus dieser Bauepoche ist nichts mehr bekannt. Das Langhaus wurde wohl etwa im 14. Jahrhundert im Stil der Gotik erneuert. Bauliche Überreste des Langhauses sind die heute noch an der Stelle der Kirche auf dem Friedhof vermauerte steinerne gotische Nische sowie ein hölzernes gotisches Fries, das später in ein Wohnhaus in der Herbolzheimer Kreßbachstraße versetzt wurde.
Während des Bauernkriegs 1525 war Oswald Lewer Pfarrer in Herbolzheim. Er predigte bereits nach lutherischer Lehre und rief zur Beteiligung an den Bauernaufständen auf, wofür er sich später vor Gericht zu verantworten hatte. Zwar sprach man ihn von den Vorwürfen der Aufwieglerei frei, doch wurde er 1530 in Tübingen dennoch hingerichtet, weil er sich inzwischen den Täufern angeschlossen hatte. Aufgrund der Zugehörigkeit zu Kurmainz und trotz einiger Streitigkeiten wegen des Patronatsrechts blieb Herbolzheim auch während der Reformation im 16. Jahrhundert katholisch.
Die Wendelinskirche am anderen Jagstufer als der Ort brachte manche Beschwernis mit sich. Die Dorfbewohner hatten die Jagst über einen hölzernen Steg zum Gottesdienst zu überqueren, bevor 1761 die erste steinerne Jagstbrücke errichtet wurde. Um im Ort die Glocken läuten zu können, wurde dort eine bereits im 17. Jahrhundert erwähnte Kapelle errichtet. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entschloss man sich schließlich, am Platz jener Kapelle einen Kirchenneubau zu errichten. Mit dem Bau der dort heute noch befindlichen alten Kilianskirche (sie hat inzwischen an anderer Stelle mit der heutigen Kirche St. Kilian ebenfalls ein Nachfolgebauwerk erhalten) wurde 1770 begonnen. 1780 konnte die Kirche eingeweiht werden.
Nach der Einweihung der Kilianskirche wurde 1784 der Turm der Wendelinskirche wegen Baufälligkeit abgerissen. Seine Steine hat man zur Reparatur der durch Eisgang beschädigten steinernen Jagstbrücke von 1761 verwendet. Das Langhaus blieb noch einige Jahrzehnte erhalten, bevor man es wegen Einsturzgefahr 1825 schließlich auch zum Abriss freigab.
Der ursprünglich ovale und ummauerte Friedhof, auf dem sich St. Wendelin befunden hatte, wurde 1839 in einer rechteckigen Form neu angelegt. In die dabei neu entstandenen Mauern hat man an der Stelle der alten Kirche eine gotische Nische vermauert, die einst wohl als Tabernakelschrein gedient hat. In der Nische wurde noch für längere Zeit eine uralte Holzfigur verwahrt, die zuletzt kopflos und stark wurmstichig war. Da sich an der Figur noch Reste einer Schäfertasche erkennen ließen, glaubt man, dass die Holzfigur ursprünglich eine Wendelinsfigur war. Da das Patrozinium der alten Kirche jedoch zeitweilig in Vergessenheit geriet, wurde die Figur traditionell nur als Totenmännle bezeichnet. Zu unbekanntem Zeitpunkt ging das Männle verloren. Die vermauerte Nische hat die Zeit bis heute auf dem Friedhof überdauert.
49.284239.25642Koordinaten: 49° 17′ 3″ N, 9° 15′ 23″ O

B. Platt Carpenter

Benjamin Platt Carpenter (* Mai 1837 im Dutchess County, New York; † 1921) war ein US-amerikanischer Politiker. Er war von 1884 bis 1885 der neunte Gouverneur des Montana-Territoriums.
Carpenter besuchte bis 1857 das Union College in Schenectady. Nach einem Jurastudium wurde er 1858 als Rechtsanwalt zugelassen. In den folgenden Jahren bekleidete er im Staat New York mehrere Ämter. Er war Bezirksstaatsanwalt, Bezirksrichter, Mitglied des Senats von New York und Delegierter auf einem Verfassungskonvent dieses Staates. Als Mitglied der Republikanischen Partei nahm Carpenter an den Republican National Conventions der Jahre 1868 und 1872 teil, auf denen Ulysses S. Grant jeweils als Präsidentschaftskandidat nominiert wurde. Im Jahr 1881 war er Vorsitzender seiner Partei in Montana.
Im Dezember 1884 wurde Carpenter von Präsident Chester A. Arthur zum neuen Gouverneur des Montana-Territoriums ernannt. Im Januar 1885 kam er in der Hauptstadt Helena an, wo er sich dauerhaft niederließ. Zwischen dem 16. Dezember 1884 und dem 13. Juli 1885 übte er das Amt des Gouverneurs aus. Er blieb auch nach seiner Amtszeit in Montana. Im Jahr 1889 war er Mitglied der verfassungsgebenden Versammlung dieses Staates. Carpenter war auch an der Entwicklung der Gesetzgebung des neuen Staates beteiligt. Danach war er in Helena als Anwalt tätig. Er war seit 1860 mit Esther Thorn verheiratet, mit der er drei Kinder hatte.
Montana-Territorium (1864–1889): Edgerton | Meagher | G. Smith | Tufts | Ashley | Scribner | Potts | Crosby | Carpenter | Hauser | Leslie | White
Bundesstaat Montana (seit 1889): Toole | Rickards | R. Smith | Toole | Norris | Stewart | Dixon | Erickson | Cooney | Holt | Ayers | Ford | Bonner | Aronson | Nutter | Babcock | Anderson | Judge | Schwinden | Stephens | Racicot | Martz | Schweitzer | Bullock

Landtagswahl in Kärnten 1949

Die Landtagswahl in Kärnten 1949 fand am 9. Oktober 1949 statt. Dabei konnte die Sozialistische Partei Österreichs (SPÖ) zwar den ersten Platz halten, büßte jedoch auf Grund des erstmaligen Antretens der Wahlpartei der Unabhängigen (WdU) Stimmenanteil und Mandate ein. Auch der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ) kostete das Antreten der WdU Stimmenanteile und Mandate.
1949 waren 267.272 Menschen bei der Landtagswahl stimmberechtigt, wobei dies eine Steigerung der Wahlberechtigten um 62.631 Personen bedeutete. Die Anzahl der Wahlberechtigten war stark gestiegen, da zahlreiche Personen das Wahlrecht erhalten hatten, die 1945 auf Grund ihrer Involvierung ins nationalsozialistische System von der Wahl ausgeschlossen waren. Die Wahlbeteiligung lag 1949 bei 93,99 % und war damit gegenüber 1945 deutlich gestiegen, als 89,35 % der Wahlberechtigten an der Wahl teilnahmen.

Erste Republik: 1921 | 1923 | 1927 | 1930
Zweite Republik: 1945 | 1949 | 1953 | 1956 | 1960 | 1965 | 1970 | 1975 | 1979 | 1984 | 1989 | 1994 | 1999 | 2004 | 2009 | 2013

Griechische Architektur

Griechische Architektur der Antike ist in ihrer Frühzeit die Architektur des antiken griechischen Siedlungsgebietes in Griechenland, auf den ägäischen Inseln, des griechisch besiedelten Teils Kleinasiens sowie Unteritaliens und Siziliens. Spätestens ab hellenistischer Zeit ist sie im weiteren Sinn die Architektur des griechisch beeinflussten Kulturraumes von Nubien bis zur Krim, vom Pandschab bis nach Sizilien. Das griechische Element, das ab dem frühen 9. Jahrhundert v. Chr. bis zum Prinzipat des Augustus wirksam ist, dann aber an Einfluss verliert, stellt den hierbei nötigen Zusammenhang her.
Griechische Architektur spiegelt die geschichtlichen Vorgänge der griechischen Antike wider. Aufgrund der für das antike Griechenland typischen Gemeinschaftsform, der Polis, ist sie – wo sie in öffentlichem Auftrag errichtet wurde – in erster Linie eine städtische Architektur – also Ausdruck einer theoretisch wie faktisch begrenzten politischen Gemeinschaft. In diesem Zusammenhang verwundert wenig, dass die ersten Bauten oder Großbauten Tempel oder Tempelanlagen darstellten, da Religion die Geschlossenheit der Gemeinschaft, der Polis, und das verbindende Element über die Polis hinaus zu anderen Poleis und somit zu einem Wir-Gefühl aller Griechen gewährte.
Die Bauaufgaben beschränkten sich nicht nur auf den Tempelbau, auch wenn dessen Zeugnisse heute geradezu stellvertretend für griechische Architektur angesehen werden. Darüber hinaus war griechische Architektur Privatarchitektur, war sie Architektur von Vereinen und Genossenschaften. Es gab eine Vielzahl verschiedener Gebäudetypen und Bauaufgaben: Theater, Bouleuterien, Ekklesiasterien und Gebäude für Synhedrien, Memorial- und Kleinarchitektur, Mausoleen und Grabarchitekturen, Stoen und Peristyle, Palästren und Gymnasien, Brunnenbauten, Fortifikationsbauten und Stadtmauern, Wehr- und Wachtürme, aber auch Leuchttürme, Hafenanlagen, Schiffshallen und Magazinbauten, Bibliotheken, Schatzhäuser, Gäste- und Vereinshäuser, Torbauten und Propyla, Wohnbauten, Holz- und sonstige vergängliche, sogenannte ephemere Architekturen.
All dies machte griechische Architektur im Laufe ihrer Entwicklung aus. Griechische Architektur war hierbei konservativ. Entwickelte und durchdacht funktionelle und geschlossen ästhetische Formen wurden beibehalten, Innovationen setzten sich nur langsam durch. Aufmerksamkeit wurde dabei dem einzelnen Glied und seiner Stellung im Gesamtzusammenhang geschenkt. Jedes einzelne Bauglied konnte für sich stehen und aus seinem Bauzusammenhang heraus in einen neuen Kontext gestellt werden. Prägnantes Beispiel hierfür ist die griechische Säule, die nicht nur in den unterschiedlichsten Bautypen verwandt wurde, sondern auch frei und als individuelles Einzelstück gebildet werden konnte. Außerdem waren die Bauglieder nicht nur als Symbol wirksam, sondern auch funktional: Die Säule steht also nicht nur symbolisch für „Tragen“, sondern sie trägt tatsächlich etwas; das Gebälk wirkt nicht nur als „Last“, es war zumeist tonnenschwer. Die Glieder in ihrer Funktion zusammenzufügen und jedes einzelne als funktionales Element erkennbar zu lassen, ist das Wesen griechischer Tektonik als Grundlage griechischer Architektur.
Die Architektur der Griechen richtete sich nach gewissen Vorschriften, die sich mehr und mehr zu speziellen Regeln verdichteten, ohne je schriftlich fixiert worden zu sein. Grundlage hierfür war die zunächst an die griechischen Stämme und die von ihnen besiedelten Gebiete gebundenen landschaftlichen Stile, die sich im Laufe des 7. und 6. Jahrhunderts v. Chr. mit der dorischen und der ionischen Ordnung ausbildeten. Die dorische Ordnung war hauptsächlich auf dem griechischen Festland und in Großgriechenland verbreitet, war aber auch im restlichen dorischen Siedlungsgebiet, insbesondere Rhodos anzutreffen. Die Bezeichnung Dorische Ordnung geht auf die Dorer, einen der griechischen Volksstämme, zurück, in deren Siedlungsgebiet – großen Teilen der Peloponnes, auf Rhodos, Kreta und Teilen Kleinasiens – der Baustil hauptsächlich entwickelt wurde. Demgegenüber war die ionische Ordnung vor allem im kleinasiatischen Ionien, auf den ionisch besiedelten Inseln der Ägäis und in Attika verbreitet. Die Bezeichnung Ionische Ordnung ist abgeleitet von den Ioniern, dem älteren und von den Dorern aus dem ursprünglichen Siedlungsgebiet vertriebenen griechischen Volksstamm. Im Laufe der Entwicklung verlor sich diese strenge landschaftliche Bindung und beide Säulenordnungen wurden im ganzen griechischen Architektur- und Kulturkreis eingesetzt.
Die korinthische Ordnung ist der jüngste der drei Baustile der griechischen Architektur. Ihre Entwicklung begann in historischer Zeit gegen Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr. mit der „Erfindung“ des korinthischen Kapitells. Ihr kanonischer Formenapparat, der aus der ursprünglich reinen Säulenordnung eine in sich geschlossene Bauordnung machte, lag verbindlich aber erst in der Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. vor.
Im Verlauf des 6. Jahrhunderts v. Chr. wurde der Formenapparat der dorischen Ordnung bis zur Vollendung entwickelt. Dieser zeichnete sich durch strenge, klar strukturierte Bauglieder und Formen aus.
Die zunächst nicht festgelegte Anzahl der Kanneluren einer Säule, die zwischen 16 und 20 schwanken konnte, wurde geradezu verbindlich auf zwanzig beschränkt. Die Schwellung des Säulenschaftes, die Entasis, ursprünglich dominierender optischer Effekt dorischer Säulen, verschwand im Laufe der Entwicklung gänzlich. Das Kapitell besteht aus dem unteren Teil, dem Echinus, der in früher Zeit wulstförmig ausladend, ab dem 4. Jahrhundert v. Chr. zunehmend als Kegelstumpf geformt ist, und der quadratischen Deckplatte, dem Abakus.
Das Gebälk ist im Wesentlichen zweigeteilt in den Architrav aus glatten Steinbalken mit abschließender Taenia und einen Fries. Dieser dorische Fries, der auch Triglyphenfries oder Triglyphon genannt wird, besteht aus einer gleichmäßigen Abfolge von Triglyphen und Metopen, die entweder glatt gearbeitet und bemalt gewesen sein konnten oder als Träger von Reliefschmuck dienten. Die Anordnung des Triglyphenfrieses bezieht sich in der Regel auf den Säulenabstand, so dass über jeder Säule und über jedem Interkolumnium, dem lichten Abstand zweier Säulen, eine Triglyphe angeordnet war.
Auf den Triglyphenfries folgt das Dach, das mit dem horizontal verlaufenden Geison weit über die darunterliegenden Bauglieder herausragt. An der Unterseite des Geisons hängen die Mutuli, flache Platten, die je drei mal sechs Guttae aufweisen. Auch hier dominiert die Struktur der dorischen Ordnung: Jeder Triglyphe und jeder Metope ist jeweils ein Mutulus zugeordnet. Die sich nach oben anschließende Sima, die Traufleiste des griechischen Daches, ist nach außen hochgewölbt und sitzt sowohl auf dem Geison der Langseiten als auch auf den Schräggeisa der Giebelseiten. Sie kann mit Rankenfriesen, Anthemien oder geometrischen Ornamenten verziert sein.
Insgesamt verfolgte die Entwicklung eine Streckung der Proportionen. Die einst gedrungenen Säulen unter mächtigen Gebälken wichen mehr und mehr schlank emporstrebenden Ausführungen. Die flach gedrückten, wulstigen Kapitelle streckten sich. Das Verhältnis Säulenhöhe zu unterem Säulendurchmesser verschob sich ebenso drastisch wie das Verhältnis Säulenhöhe zu Gebälk.
Die ionische Ordnung erreichte nie die geschlossene Strenge allgemein gültiger Regeln ihrer Gestaltung, wie sie die dorische Ordnung auszeichnet. Zu unterschiedlich waren ihre Anfangsbedingungen im zersplitterten Siedlungsraum. Erst im 4. Jahrhundert v. Chr. kommt es zur Ausbildung einer Art ionischen Kanons, betrieben vor allem von kleinasiatischen Architekten in bewusster Auseinandersetzung mit der dorischen Ordnung und zur Abgrenzung.
Die Säule erhebt sich nicht wie in der dorischen Ordnung direkt auf dem Stylobat, sondern besitzt eine Basis. Die ionische Basis besteht in der Regel aus einer quadratischen Bodenplatte, der Plinthe, und einer Abfolge von Wulsten, Torus genannt, und Hohlkehlen, Trochili. Im Verhältnis zu dorischen Säulen sind ionische Säulen wesentlich schlanker und verjüngen sich nur leicht. Bei den Kanneluren bleibt zwischen den Auskehlungen ein schmaler Steg stehen. Die Anzahl der Kanneluren beträgt meist zwischen 20 und 24, wobei 24 Kanneluren die klassische Anzahl darstellen. Doch kann sie deutlich höher liegen. Das Kapitell weist über einem schwach ausgebildeten und meist mit Eierstab verzierten Echinus ein Polster mit seitlich zu Schnecken eingerollten konkav geschnittenen Voluten auf. Ein flacher Abakus schließt das Kapitell ab.
Der Architrav ist glatt oder in bis zu drei leicht vorkragenden Stufen, Faszien genannt, gegliedert. Darüber folgt entweder ein einfaches Gesims mit Zahnschnitt als kleinasiatisch-ionische Variante oder ein attisch-ionischer Fries, der glatt oder skulptiert sein kann. Ein einfach geschwungenes Geison schließt das Gebälk ab. Die Traufrinne, Sima, der ionischen Ordnung konnte aufwendig dekoriert sein und figürliche Friese ebenso tragen wie Rankenfriese oder Anthemien.
Die ionische Ordnung stellt sich wesentlich schmuckfreudiger dar als die dorische. Allenthalben wurden zwischen den Baugliedern vermittelnde Wellenprofile eingesetzt, die meist mit Perlstab, Eierstab, lesbischem Kyma oder anderen Ornamentformen geschmückt waren.
Auf kompositer oder attischer Basis mit Plinthe erhebt sich der ionisch kannelierte Säulenschaft mit 24 Kanneluren. Der Schaft trägt das korinthische Kapitell. Den Kapitellkörper, Kalathos genannt, umgeben zwei versetzt angeordnete, unterschiedlich hohe Kränze aus je acht stilisierten Akanthusblättern. Aus den Eckblättern entwickeln sich sogenannte Caules, die jeweils zwei unterschiedlich stark gebildete Pflanzenstängel entlassen. Der kräftigere, Volute genannte Stängel wächst der Kapitellecke entgegen, während der kleinere, Helix genannte Stängel sich zur Mitte der jeweiligen Ansichtfläche des Kapitellkörpers wendet. Die Voluten stützen gleichsam den Abakus, dessen Seitenflächen konkav geschwungen sind. Eine Rosette oder Abakusblume ziert die Mitte jeder der vier Abakusseiten.
Eine Eigenart der korinthischen Säule in der griechischen Architektur war es, je nach landschaftlicher Einbindung sowohl mit einem ionischen als auch mit einem dorischen Gebälk kombinierbar zu sein. Selbst für Vitruv (IV,1,1-3) war die korinthische Ordnung noch eine reine Säulenordnung, die nach Belieben mit einem ionischen oder dorischen Gebälk verbunden werden konnte.
Griechische Architektur, vor allem die repräsentativer Form, war in erster Linie Gliederbau, das heißt aus einem mehr oder minder festgelegten Repertoire an Gliedern zusammengesetzte Architektur. Immer besteht sie aus einem Unterbau, einem Stützen- oder Wandsystem und einem Gebälk. Vornehmstes Thema war das Zusammenspiel von Tragen und Lasten, zugleich wurde jedem Bauelement soviel Wertschätzung entgegengebracht, dass es vereinzelt und aus seinem ursprünglichen Bauzusammenhang versetzt werden konnte. So konnte der dorische Triglyphenfries als reine Schmuckform auf einer Wand oder in einer Fassadenarchitektur untergebracht werden. Zahlreiche Säulen standen als Einzelmonumente und Weihgeschenkträger in den griechischen Heiligtümern.
Wo Tragen und Lasten mittels Säulen oder Pfeilern und freiem Gebälk nicht notwendig war, etwa bei Bauten mit geschlossenen Wänden, konnte es als Thema dennoch zitiert werden. Halbsäulen und Pilaster finden bereits im 5./4. Jahrhundert v. Chr. ihren Weg in die griechische Architektur. Zunächst auf Innenräume wie die Tempel von Bassai oder Tegea beschränkt, gliedern sie in der folge ganze Blendarchitekturen wie etwa am Bouleuterion von Milet oder am Gymnasion von Samothrake sowie zahlreichen Tor- und Grabbauten. Pfeiler selbst können mit Halbsäulen kombiniert werden, die so entstehenden Pfeilerhalbsäulen und Doppelhalbsäulenpfeiler sind in der Hallenarchitektur, etwa im Obergeschoss der Attalosstoa, und bei Peristylen selbst im privaten Umfeld, Palast von Vergina, beliebt und bilden Vorstufen zu Ovalsäulen und gekoppelten Säulen.
Da selten mit griechischer Architektur verbunden, sei an dieser Stelle die Einführung des echten Bogen- und Gewölbebaus erwähnt, die ins 4. Jahrhundert v. Chr. fällt. Wegen der hierbei auftretenden Schubkräfte bleibt seine Verwendung auf Toröffnungen in Mauern, auf Grabarchitekturen und Substruktionen etwa von Brücken beschränkt, da bei derartigen Bauten keine eigenständigen Widerlager an den Seiten der Bögen und Gewölbe zur Kraftableitung angebaut werden mussten. Neben Tonnen- und Kreuzgratgewölben entwickelten die Griechen im 2. Jahrhundert v. Chr. bereits die Halbkuppel zum Abdecken exedraähnlicher Bauten.
Ergebnis der immer wieder neu durchgeführten Kombination bekannter Elemente und der Erfindung oder Entwicklung neuer Lösungen, wo sie gebraucht wurden, war eine große Anzahl unterschiedlicher Bautypen und Baukörper. Isoliert stehend oder in größere Konzepte und Komplexe eingebunden, prägten sie das Bild griechischer Städte und Heiligtümer, stellten sie für jedes Bedürfnis eine architektonische Lösung bereit.
Es sind drei Arten von Auftraggebern zu unterscheiden: 1. Öffentliche Auftraggeber, die, je nach politischer Konstellation, durch zuständige und legitimierte Gremien, durch die Verwaltung großer Heiligtümer oder durch Herrscher und deren Vertreter Bauaufträge vergeben konnten. Die finanziellen Mittel wurden durch laufende Einkünfte der Städte oder Herrscher, bei Bedarf durch Sondersteuern aufgebracht. Überregionale Heiligtümer wie Olympia sammelten für ihre Bauausgaben Spenden. 2. Halböffentliche Bauträger, wie sie in Form von Vereinen oder Genossenschaften auftraten. Die von ihnen errichteten Gebäude kamen nicht selten allen Mitgliedern eines Gemeinwesens zugute, wenn auch ihre Bauten meist sehr zweckgebunden waren, wie etwa Vereinshäuser oder Heiligtümer für bestimmte, nicht allgemein verehrte Gottheiten. Auch für Nekropolen und die benötigten Nebengebäude konnte eine derartige Trägerschaft interessant sein. Die finanziellen Mittel wurden zumeist von wohlhabenden Mitgliedern in Form von Spenden bereitgestellt. 3. Privatleute, die nicht nur für ihre Wohnhäuser und Grabanlagen als Auftraggeber auftraten, sondern häufig als Spender oder Stifter, die öffentliche Bauten erneuerten, ausschmückten oder für den Erhalt und die laufenden Unterhaltungskosten eines Gebäudes auftreten konnten. Allerdings musste ein derartiges Vorhaben mit den zuständigen Behörden der öffentlichen Hand abgestimmt, musste die Erlaubnis hierzu eingeholt werden. Hellenistische Monarchen konnten als Privatstifter in fremden Städten auftreten und öffentliche Bauvorhaben finanzieren, wie etwa das Beispiel Antiochos IV. belegen mag, der den Neubau des Olympieion in Athen in Auftrag gab.
Obgleich im griechischen Altertum hoch angesehen, wissen wir doch recht wenig über die griechischen Architekten. Die Namen viel weniger Vertreter des Berufs sind überliefert, als etwa für Maler oder Bildhauer. Im griechischen Denken war der Architekt einerseits ein praktischer Baufachmann, andererseits aber jemand, der diese praktische Seite seines Berufs durch Reflexion zu fast wissenschaftlicher Grundlegung erhob. Oft hinterließen Architekten Bücher über die von ihnen entworfenen und errichteten Bauten. Bekannte Architekten waren Chersiphron, Rhoikos, Theodoros, Iktinos und Mnesikles, Skopas, Hermogenes sowie Menesthes. Der Einfluss des Architekten, seine Möglichkeiten zur persönlichen Entfaltung, wurde durch Art und Struktur des stark vom Bauherren bestimmten Bauwesens eingeschränkt. Es ist nicht möglich, innerhalb der umfangreichen architektonischen Hinterlassenschaften die Hand eines Architekten zweimal zu erkennen. Jeder Bau, jede Ausführung bleibt letztlich einmalig, lediglich handwerkliche Dinge auf Ebene der Werkstätten lassen sich bisweilen greifen.
Vom griechischen Bauwesen, insbesondere des öffentlichen Sektors zeugen vor allem drei Urkundentypen, die als inschriftliche Quellen hinlänglich erhalten sind: Ausschreibungen, Verträge zwischen Bauträger und Unternehmer, Abrechnungen. Öffentliche Bauaufträge wurden öffentlich ausgeschrieben, nachdem eine Volks- oder Ratsversammlung einen Baubeschluss gefasst hatte. Über die eingereichten Entwürfe und Bewerbungen entschied wiederum das je zuständige Gremium. Unterlegene Architekten eingereichter Entwürfe konnten bisweilen gegen die Entscheidung klagen, waren die Zuschläge doch meist mit hohen Vergütungen verbunden. Nach endgültiger Annahme eines Entwurfes trat eine Baukommission als Aufsicht führende Behörde ihre Arbeit an. Aufgabe der Kommission waren Ausschreibung und Auftragsvergabe, Bauaufsicht und Abnahme der Arbeiten sowie Lohnauszahlungen. Die Bauausschreibung beruhte auf dem siegreichen Entwurf und enthielt alle Informationen, die es einem Bauunternehmer ermöglichten, ein realistisches Angebot für die Durchführung des Vorhabens vorzulegen. Zuschlag bekam in der Regel das niedrigste Angebot für die umfassendste Leistung. Die Baukommission hatte das Recht, Baupläne nachträglich ändern zu lassen und all die Details auszusuchen und festzulegen, die im Entwurf nicht spezifiziert waren. Der ausführende Architekt hatte bei Strafandrohung alle Vorgaben des Vertrages und alle Anweisungen der Kommission zu befolgen. Die Stellung des Bauträgers, vertreten durch die Baukommission, war also außerordentlich stark. Demgegenüber hatte der bauausführende Architekt die technische Leitung inne, er nahm kleinere Bauabschnitte und Arbeiten eigenverantwortlich ab. Ihm konnten bei großen Bauvorhaben mehrere Unterarchitekten zur Seite gestellt sein. Der ausführende Bauunternehmer musste Bürgen stellen, die Regressforderungen und allgemeine aus der Verpflichtung sich ergebende Anforderungen absichern mussten. Bei öffentlichen Bauten wurde das Baumaterial gewöhnlich vom Bauträger gestellt, Ausnahmen waren im Vertrag geregelt. Normalerweise waren Unternehmer aber nur für spezielle Arbeiten im Gesamtzusammenhang zuständig, da die Betriebsgrößen sehr bescheiden waren. Für 52 Pteronplatten der Tholos von Epidauros wurden beispielsweise 26 Unternehmer angeheuert. Bezahlt wurde anfangs pro Arbeitskraft und Tag, ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. setzte sich die Bezahlung nach Stück oder Bauabschnitt durch. Nach den spärlichen Zeugnissen zu urteilen, die für das privatrechtliche Bauwesen erhalten sind, scheint es prinzipiell dem oben Dargelegten zu folgen.
Bei griechischer Architektur denkt man zunächst an Steinbauten. Doch bis zum Ende spielte vor allem ungebrannter Lehm und Holz eine entscheidende Rolle. Nicht nur für Wohnbauten, auch für den öffentlichen oder halböffentlichen Nutzbau profaner Bestimmung nutzte man sogar zunehmend den reichlich vorkommenden Lehm. Die Lehmziegel wurden hierbei von der Frühzeit an auf steinernen Sockelschichten verlegt und gegebenenfalls mit Holzstützen befestigt und gesichert. Überzogen wurde der Lehm mit stark aushärtendem Kalkputz. Vornehmstes Baumaterial war aber Stein, der für die meisten öffentlichen und privaten Repräsentationsbauten eingesetzt wurde. Begehrt war hierbei natürlich der sehr glatt zu bearbeitende Marmor, der auf dem griechischen Festland, vor allem aber auf den Kykladen an zahlreichen Orten gebrochen wurde. In Ermangelung anderer Baumaterialien baute man auf den Kykladen fast ausschließlich mit dem lokalen Marmor. Waren qualitätsvolle Marmorbrüche nicht oder nur unter hohen Kosten erreichbar, griff man zumeist auf dichte Kalksteine zurück, deren Oberfläche man durch einen Verputz aus Marmorsplitt glättete und aufwertete. Ab dem Hellenismus treten als neue Materialien gebrannte Ziegel, auch in Form gebrannt, um etwa Säulen daraus bauen zu können, Mörtel und Stuck auf. Vor allem der Mörtel in seinen verschiedenen Zusammensetzungen stellte sich als zukunftsweisendes Material heraus. Anfänglich für hydraulische Abdichtungen, dann für Estriche benutzt, gelangte er als Bindemittel in aufgehenden Mauerwerken zu einer unersetzlichen Stellung. In seiner Weiterentwicklung und lokalen Verfeinerung zum Opus caementitium wurde er zu dem Baustoff römischer Ingenieursbauten.
Das gewöhnliche Steinmaterial, die Hausteine, wurden immer trocken, das heißt ohne Bindemittel zwischen den Steinschichten verlegt. Die Steine und Quader für Fundamentbereiche waren bis in hellenistische Zeit meist nur grob zugehauen und kaum geglättet, später jedoch auch für diesen Bereich meist aus „Normquadern“ verlegt, die halbindustriell gefertigt aus den Steinbrüchen angeliefert wurden. Je nach Bauzusammenhang nutzte man unterschiedliche Mauertechniken. Für Stadt- und Terrassenmauern wurden gern Polygonal-Mauerwerke errichtet, die aus zwar exakt verlegten, aber unregelmäßig geformten Steinen bestanden. Für freistehende Repräsentationsbauten hingegen verwandte man zumeist Quader. Als Kunstform konnten die Sichtseiten der Quader nur bossiert und von einem fein geglätteten Spiegel umgeben sein. In der Regel waren Sichtflächen jedoch fein gerichtet. Stoß- und Lagerfugen wiesen vor allem bei aufwendigen Bauvorhaben eine Anathyrosis auf – bis auf die Ränder waren die Steinflächen also abgearbeitet, um einen möglichst exakten Fugenschluss bei möglichst geringem Aufwand zu erzielen. In der Horizontalen waren Quader oft verklammert, in der vertikalen Schichtfolge zusätzlich verdübelt. Klammern und Dübel bestanden üblicherweise aus Eisen, selten aus Holz und waren mit Blei vergossen. Die sich ständig verbessernde Steinmetztechnik führte im 4. Jahrhundert v. Chr. zur Entwicklung echter Steinbögen und Gewölbe aus Keilsteinen.
Ungebrannte Lehmziegel wurden meist feucht verlegt, das heißt man verschmierte eine dünne Schicht flüssigen Lehms zwischen den Ziegeln, um deren Halt zu gewährleisten. Nach dem Trocknen und dem Aufbringen des schützenden Kalkputzes konnten derart errichtete Gebäude eine bessere Haltbarkeit aufweisen als Gebäude aus minderwertigem weichen Kalkstein.
Eine Besonderheit griechischer Architektur ist der Einsatz optischer Verfeinerungen, die gewissermaßen die fast schon mathematisch-kühle Starre ihrer Bauten lösen sollten. So führten die griechischen Architekten eine nicht erkennbare Krümmung des gesamten Bauwerkes ein, die sogenannte Kurvatur, die Stylobat und Gebälk umfassen konnte. Hierbei wurden horizontale Linien tatsächlich zur Gebäudemitte hin um einige Zentimeter nach oben gewölbt. Auch Säulen wurden von der Vermeidung mathematisch gerader Linien erfasst, indem man sie nicht linear nach oben verjüngte, sondern den Eindruck einer mehr oder minder starken Schwellung des Säulenschaftes, Entasis genannt, hervorrief. Zudem erfuhren die Säulen bei ihrer Aufstellung eine leichte Innenneigung zur Gebäudemitte hin, die sogenannte Inklination. Am Parthenon auf der Akropolis von Athen durchzieht die Kurvatur alle horizontalen Bauglieder bis zum Gesims, selbst die Cellawände greifen in voller Höhe die Kurvatur auf. Die Inklination der mit Entasis versehenen Säulen setzt sich in Architrav und Triglyphenfries fort. Die Außenseiten der Cellawände wiederholen die Inklination der Säulen. Kein Stein des Baus, kein Architrav, kein Friesteil konnte als einfacher rechteckiger Quader zugehauen werden. Alle Bauglieder wiesen leichte und für jedes Glied individuell ermittelte Abweichungen von rechten Winkeln auf: Eine ungeheure Steigerung des betriebenen Aufwandes für jedes einzelne Bauglied, das somit nicht mehr „am Fließband“ produziert und hergerichtet werden konnte.
Das am weitesten verbreitete und heute am besten erforschte Gebäude griechischer Architektur war der griechische Tempel, der Kultbild und Weihgeschenke aufnehmen konnte. Alle griechischen Städte besaßen Tempel für die unterschiedlichsten Gottheiten. Oftmals bildeten sie ganz Ensembles wie in Paestum, Selinunt oder Akragas. Innerhalb relativ kurzer Zeit entwickelten die Griechen den Tempel von den kleinen Lehmziegelbauten des 9. und 8. Jahrhunderts v. Chr. zu monumentalen Bauten mit doppelten Säulenhallen des 6. Jahrhunderts v. Chr., die ohne Dach leicht über 20 Meter Höhe erreichten. Für die Gestaltung griffen sie hierbei auf die landschaftlich geprägten Bauglieder der dorischen und der ionischen Ordnung zurück, zu denen ab dem späten 3. Jahrhundert v. Chr. die korinthische Ordnung trat. Eine Vielzahl unterschiedlicher Grundrissmöglichkeiten wurde erprobt, die mit den verschiedenen Ordnungen der aufgehenden Architektur kombiniert wurden. Ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. ließ der Bau großer Tempel nach, um nach einer kurzen letzten Blüte im 2. Jahrhundert v. Chr. vollständig zum Erliegen zu kommen. Der griechische Tempel wurde nach festen Regeln entworfen und gebaut, deren wichtige Bezugsgrößen der untere Durchmesser der Säulen oder die Maße des Fundamentes sein konnten. Optische Verfeinerungen lösten die Starre der sich so ergebenden fast mathematischen Gestaltungsgrundlagen. Entgegen heute immer noch verbreiteter Vorstellung waren die griechischen Tempel bemalt, wobei satte Rot- und Blautöne neben das dominierende Weiß traten. Überaus reich war bei aufwendig gestalteten Tempeln der figürliche Schmuck in Form von Reliefs und Giebelfiguren.
Dem Tempel vorgelagert oder wenigstens zugeordnet befand sich der Altar, der zentrale Platz für Kulthandlungen und Opfer. Im Gegensatz zum Tempel, der immer einen Altar besaß, konnte der Altar ohne weiteren architektonischen Bezug errichtet sein. Neben schlichten Brand- und Aschealtären oder einfachsten Ausführungen in Form kleiner Rundaltäre für Flüssigkeits- und Blumenopfer oder Cerealien konnte er beachtliche Dimensionen und reich geschmückte architektonische Formen annehmen, wie etwa die Altäre der Artemis in Ephesos oder der berühmte Altar von Pergamon zeigen. Früh schon gab es recht große Altartische, die im Laufe des 6. Jahrhunderts v. Chr. zu mächtigen Plattformen füllenden Anlagen entwickelt wurden, wie sie am Poseidonaltar in Monodendri oder dem hufeisenförmig umschlossenen Altar VII im Heraion vom Samos nachzuweisen sind. Die Altartische banden in ihren Aufbau Teile gängiger Säulenordnungen ein, wie etwa an den Triglyphenaltären in Kerkyra, Perachora oder Korinth. Die Dimensionen der zugehörigen Stufenbauten konnten wie am Altar Hierons II. in Syrakus 20 × 195 Meter erreichen. Daneben gab es Altarhöfe wie etwa in Samothrake. Aus der Kombination beider Gedanken entwickelte man schließlich Altarbauten wie den Pergamonaltar oder, in kleinerer Ausführung, den Altar im Asklepieion in Kos aus dem 3. Jahrhundert v. Chr.
Oft zahlreich waren die Hallenbauten in griechischen Heiligtümern. Sie dienten in erster Linie der Aufstellung von Weihgeschenken, boten aber natürlich auch den Besuchern Schutz vor den Widrigkeiten des Wetters oder fungierten als Speisesäle. Für Mitglieder von Kultvereinen oder hochgestellte Persönlichkeiten gab es hierfür reine Bankettbauten. Eine besondere Stellung nahmen in manchen Heiligtümern die sogenannten Schatzhäuser, Thesauroi, ein, die zur Aufbewahrung kostbarer Weihgeschenke dienten. Es handelte sich hierbei nicht um Stiftungen von Privatpersonen, sondern ganze Städte repräsentierten dergestalt ihre Verbundenheit mit einem Heiligtum. Die bekanntesten Beispiele dieser meist in Form kleiner Antentempel errichteten Gebäude wurden in Delphi und Olympia gefunden, wo sie an Wegen und Prozessionsstraßen errichtet wurden. Meist handelt es sich um sehr aufwendig gestaltete Kleinode, geschmückt mit kostbaren Reliefs oder reich verzierten Terrakotten, die von wirtschaftlicher Potenz ihrer Auftraggeber und der Wertschätzung gegenüber der Gottheit und dem Heiligtum zeugten.
Direkt mit der Geschichte griechischer Heiligtümer verbunden ist die Entwicklung des griechischen Torbaus, des Propylons. Anfangs schlicht die Wandöffnung, die den Zugang zum Heiligtum ermöglichte, wurden die Toranlagen immer aufwendiger gestaltet und folgten komplizierten Entwürfen. An den Propyläen der Athener Akropolis sind die formalen Möglichkeiten bereits beträchtlich ausgeschöpft. Die Anlage vereint zahlreiche ursprünglich getrennte Bauten und Bereiche zu einer komplexen architektonischen Lösung mit eigentlichen Durchgängen sowie rahmenden und vorspringenden Gebäudeteilen. Der tempelähnliche Charakter dieser zunächst zum Heiligtum gehörenden Bauform zeigt sich gerade an diesem Beispiel in der Kombination von Säulenfront und Dreiecksgiebel, wie er aufwendigen Torbauten immer eignete. Als zwischen äußerem profanen und innerem sakralen Bereich vermittelndes Gebäude kam dem Propylon große Bedeutung zu, was zu einer Steigerung des an ihm betriebenen Aufwandes führte. Oft schmückten korinthische Säulen die Innenseite oder das innere eines Propylons, so etwa am Torbau des Ptolemaios‘ II. in Samothrake oder den Nordpropyläen in Epidauros, die beide im ersten Viertel des 3. Jahrhunderts v. Chr. errichtet wurden. Gesteigert wurde all dies noch durch die Zweigeschossigkeit, wie sie am Propylon des Athenabezirk in Pergamon begegnet.
Neben den Sakralbauten hatten die meisten Städte ein Repertoire an Standardbauten, die erst den städtischen Charakter begründeten. Erwähnenswert sind die rein funktionalen Brunnenhäuser, in denen man schlicht sein Trinkwasser bezog, das Frauen in Krügen und Vasen dort abfüllen konnten. Weit verbreitet waren Hallenbauten, Stoen, die meist auf einer Agora, dem griechischen Marktplatz, standen und eine Reihe von Läden beherbergten. Größere Städte hatten Palästren und Gymnasien, die das soziale Zentrum der männlichen Stadtbevölkerung bildeten. Meist in ihrem Inneren von Säulenhallen, einem Peristyl, umgeben, dienten sie zwar in erster Linie der körperlichen Ertüchtigung und dem Wettkampf, zugleich waren sie aber Treffpunkt und Debattierclub.
Für Ratsversammlungen und Gremiumssitzungen standen unterschiedliche Gebäudetypen zur Verfügung. Wichtiges Gebäude in dem Zusammenhang war das Buleuterion, das der Ratsversammlung diente. Oft mit ansteigenden, hufeisenförmig oder koilonartig angeordneten Sitzreihen ausgestattet, hatte es wegen seiner recht großen Dimension meist innere Säulen- oder Stützenstellungen, welche die enormen Dachweiten stützen mussten. Sie stellten daher meist sogenannte hypostyle Säle dar.
Jede griechische Stadt hatte schließlich ihr Theater, das sowohl für größere Versammlungen als auch die szenischen Aufführungen und Feste diente und seinen Ursprung eigentlich im Kultus und in religiöser Zeremonie hatte. Üblicherweise schmiegten sich Theater an Hügel oder waren in sanfter ansteigende Felswände eingearbeitet. Die etwas über halbrund großen, ansteigenden Sitzreihen konnten aus einfachen Holzbänken bestehen, waren aber oft gänzlich aus Stein angelegt. Die zentrale Spielstätte, die kreisrunde Orchestra, in welcher der Chor auftrat, befand sich direkt unterhalb des Publikums. Dahinter erhob sich das eigentliche Theatergebäude, die Skene, das Hintergrund, Fundus und Umkleidekabine in einem war. Zahlreiche griechische Theater mit noch heute phantastischer Akustik sind erhalten, unter denen das Theater von Epidauros eines der bekanntesten ist.
Anfang des 5. Jahrhunderts v. Chr. begannen die Griechen, Städte und Neugründungen nach regelmäßigen rechteckigen Rastern anzulegen. Die einst organisch gewachsenen Ansammlungen der Häuser, die in ihrem Verlauf zufälligen und ungeordneten Straßenführungen wurden durch rechtwinklige Straßenzüge abgelöst. Die Einführung dieses Systems ist mit dem Architekten Hippodamos von Milet verbunden, in dessen Heimatstadt Milet das neue Prinzip nachzuweisen ist. Die Athener baten Hippodamos um Unterstützung, um nach den Perserkriegen den Piräus aus- und wieder aufzubauen. Dem gleichen Schema, oftmals mit Baublöcken von 3 × 2 Parzellen und typisierter Bebauung, folgten etwa die Nordstadt in Olynth, Priene und Alexandria.
Der Hausbau der Griechen war vielfältig und formenreich. Dennoch verbreiteten sich im 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. zwei Pläne eines Standardhauses. So besaßen die Neubauten Olynths aus dem 5./4. Jahrhundert v. Chr., aber auch die im 2. Jahrhundert v. Chr. errichteten Häuser auf Delos schmale, kleine Räume, die um einen säulengeschmückten Innenhof gruppiert waren. Der Haustyp, bei dem der Eingang an einer Längswand liegt, der üblicherweise noch eine offen Laube vorgeschaltet ist, wird als Pastashaus angesprochen. Demgegenüber hatte das zweite Standardhaus, das Prostashaus, wie es etwa in Priene nachzuweisen ist, zwar auch einen Innenhof, aber einen viel differenzierten Grundriss, in dem der zentrale Lebensbereich aus einem großen rechteckigen, fast hallenförmigen Raum bestand, der sich zu einer vorgelagerten Säulenhalle öffnete. Vor allem betritt man das Haus durch eine kleine – namensgebende – Vorhalle an der Schmalseite. Gegenüber befanden sich die kleineren Räumlichkeiten für Bedienstete, Lager und Küchen. Daneben gab es eine Vielzahl weiterer Grundrissmöglichkeiten, die vor allem bei frei verfügbaren Platz umgesetzt wurden. In der Enge hellenistischer Städte war für derartige Einzelhäuser jedoch kaum Platz, so dass die Menge in den beschriebenen Hofhäusern leben musste.
Die Entwicklung, soweit sie zu verfolgen ist, führte zu einer zunehmenden Differenzierung und Gewichtung der einzelnen Raumteile. Der Oikos bildete den Hauptraum, dem sich neben kleineren Räumen vor allem der Andron als Empfangs- und Speiseraum der Männer anschloss. Schlafräume und Frauengemächer, die Gynaikonitis, waren meist im Obergeschoss untergebracht. Ab dem Hellenismus beliebt war es, Wohntürme zu errichten oder bestehenden Wohnhäusern anzubauen. Als wehrhafte Variante waren derartige Wohntürme auf dem freien Land bei befestigten Gehöften nachzuweisen.
In hellenistischer Zeit konnten die Wohnhäuser reicher Privatleute palastartige Ausmaße annehmen, deren Säulengänge und Zimmerfluchten mit Marmor ausgestattet und mit reichen figürliche Fußbodenmosaiken geschmückt waren. Noch übertroffen wurde dieser Wohnluxus von den Palästen hellenistischer Herrscher, wie er in Pergamon und Demetrias, aber auch in Pella und Vergina nachzuweisen ist. Material- und Flächenluxus waren verschwenderisch, große hintereinander gestaffelte Peristyle, umgeben von zahlreichen Räumen, Marmor- und Mosasikböden gehörten ebenso zur Ausstattung wie kostbare Hölzer und Vergoldungen, von denen Aelian (var. hist. 14.17) berichtet.
Die Byzantinische Architektur Ostroms ist eine Fortsetzung der Römischen Architektur. Athen als Zentrum des antiken Griechenland verliert an Bedeutung zugunsten Konstantinopels. Auf der griechischen Halbinsel entstehen neue Zentren wie die Stadt Mystras. In osmanischer Zeit kam es für den griechischen Kulturraum zu einem wesentlichen Bedeutungsverlust, zahlreiche Gelehrte wanderten aus. Neubauten waren zumeist Moscheen und öffentliche Bäder.
Eine Sensibilisierung für die antike Architektur, allem voran der klassischen Periode, entfaltete sich mit der Gründung des griechischen Staates zu Beginn des 19. Jahrhunderts. In jener Zeit werden Bauten freigelegt oder restauriert. Teilrekonstruktionen hingegen wurden kritisch gesehen und werden nicht mehr durchgeführt.
Der europäische Klassizismus seit dem 18. Jahrhundert stand unter direktem Einfluss der griechischen Antike.

Bruck (Berg)

50.36305555555611.805555555556560Koordinaten: 50° 21′ 47″ N, 11° 48′ 20″ O
Bruck ist ein Ortsteil der Gemeinde Berg im Landkreis Hof in Bayern.

Bruck befindet sich östlich von Berg und der Bundesautobahn 9 in einer landwirtschaftlich mosaikartig angelegten Feldflur in seiner Gemarkung. Die Staatsstraße 2692 verbindet den Ortsteil mit den Dörfern im Umfeld der Mittelgebirgslage.
Für die Geschichte des Berger Winkels siehe Berg (Oberfranken). Im Haupt- und Nebenerwerb bewirtschaften die Bauern ihr Land.
Am 1. Mai 1978 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde in die Gemeinde Berg eingegliedert.
Bartelsmühle | Berg | Blumenaumühle | Brandstein | Bruck | Bruckmühle | Bug | Eisenbühl | Erzengel | Feldmühle | Geiersberg | Gottsmannsgrün | Gupfen | Hadermannsgrün | Holler | Lerchenhaag | Lohwiese | Ludwigshöhe | Maihof | Mitteltiefengrün | Moos | Obertiefengrün | Rothleiten | Rudolphstein | Sachsenvorwerk | Schnarchenreuth | Steinbühl | Steingrün (Hofname Mohrnhaus) | Tiefengrün | Untertiefengrün | Wacholderreuth | Waldlust | Weißenbachmühle | Wiesenhaus

Braunpelikan

Braunpelikan der Unterart P. o. californicus
Der Braunpelikan (Pelecanus occidentalis), auch Brauner Pelikan oder – seltener – Meerespelikan genannt, ist ein großer Wasservogel, der an den Küsten Nord-, Mittel- und Südamerikas beheimatet ist und zur Familie der Pelikane (Pelecanidae) gehört.
Braunpelikane sind ausgezeichnete Schwimmer, ihr Gang auf Land erscheint jedoch unbeholfen. Ihre langen Flügel machen Braunpelikane zu äußerst ausdauernden und grazilen Fliegern, wobei Gruppen von Braunpelikanen häufig dabei zu beobachten sind, wie sie in Formationen knapp über der Wasseroberfläche fliegen.
Von insgesamt acht Pelikanarten ist der Braunpelikan gemeinsam mit dem – ihm nahe verwandten – Chilepelikan (P. thagus) die einzige, die im Sturzflug ins Wasser taucht, um Fische zu erbeuten. Darüber hinaus sind beide Arten auch die einzigen unter den Pelikanen, die ausschließlich in marinen Gewässern beheimatet sind und eine vorwiegend dunkle Gefiederfarbe aufweisen.
In den 1970er Jahren wurde der Braunpelikan in den Vereinigten Staaten unter Schutz gestellt, nachdem die Anreicherung von Pestiziden – insbesondere DDT – in der Nahrungskette den Stoffwechsel der Tiere störte und zu dünnschaligen Eiern mit hoher Zerstörungsrate führte. Durch die Schutzmaßnahmen und das Verbot von DDT im Jahr 1972 haben sich die Bestände so weit erholt, dass die Art von der IUCN inzwischen als nicht gefährdet eingestuft wird.
Der Braunpelikan ist der offizielle Staatsvogel des US-Bundesstaates Louisiana und wird im Siegel von Louisiana beim Füttern von drei Küken dargestellt.

Braunpelikane erreichen ausgewachsen eine Körperlänge von 1,00 bis 1,37 Metern bei einer Flügelspannweite von rund 2 Metern. Die Länge ihres Schnabels beträgt 25 bis 38 Zentimeter, wobei der Schnabel von männlichen Tieren rund 10 % länger ist als derjenige von weiblichen. Mit einem Körpergewicht von 2 bis 4 Kilogramm sind Braunpelikane leichter und schlanker als andere Pelikanarten. Männliche Braunpelikane sind rund 15–20 % schwerer als weibliche Individuen.
Jungtiere sind an ihrem überwiegend braunen Gefieder mit einem weißen Bauch erkennbar. Ihre endgültige Farbgebung erreichen Braunpelikane im Alter von etwa 3 bis 5 Jahren. Dabei ändert sich die Farbgebung des Gefieders sowie anderer Körperteile adulter Tiere im Verlauf des Jahres grundlegend. Einige Merkmale zur jeweiligen Jahreszeit sind:
An Land und in flachem Wasser bewegen sich Braunpelikane in einem wankenden und unbeholfen erscheinenden Gang vorwärts, bei dem sie ihr Gewicht abwechselnd von einem auf das andere Bein verlagern. Im langsamen Gang legen sie ihre Flügel an den Körper an, während sie ihre Flügel bei schnelleren Bewegungen vom Körper abspreizen, um das Gleichgewicht zu halten.
Beim Abheben vom Wasser heben die Tiere ihren Oberkörper an, damit ihre Flügel nicht die Wasseroberfläche berühren. Dabei verleihen sie sich durch das gleichzeitige Stoßen der Beine zusätzlichen Vorschub. Während des Abhebens strecken sie ihren Kopf nach vorne, wohingegen der Kopf während des Fluges nach hinten an die Schultern angelegt wird. Üblicherweise starten die Tiere ihre Flugbewegung gegen den Wind.
Im Flug nehmen Gruppen von Braunpelikanen eine V-Formation ein oder fliegen in einer Reihe. Dabei wechseln sich Flügelschläge mit Gleiten ab. Beim Flug über dem Meer gleiten die Vögel häufig dicht über der Wasseroberfläche, um auf diese Weise Energie durch den Auftrieb des Bodeneffekts zu sparen.
Bei der Landung spreizen Braunpelikane ihre Schwanzfedern und strecken beide Beine nach vorne. Ihre Füße mit den gespreizten Zehen dienen bei der Landung auf dem Wasser als Kufen. Landungen auf Land werden in einem steileren Winkel als auf dem Wasser durchgeführt.
Beim Schwimmen auf dem Wasser bewegen Braunpelikane abwechselnd ihre Beine. Auf diese Weise gelingt es ihnen selbst bei Tidenströmungen von 6 bis zu 10 km pro Stunde, ihre Position zu halten.
Die einzige stimmliche Lautäußerung adulter Tiere besteht in einem heiseren „Hrraa-hrraa“, das von beiden Geschlechtern auf dem Nest als Reaktion auf Bewegungen anderer Individuen ertönt und vor allem im Verlauf der frühen Balz auftritt. Nestlinge rufen mit einem schrillen, krächzenden Laut, wenn sie um Futter betteln.
Instrumentallaute treten im Zusammenhang mit agonistischem Verhalten auf. Mit ihren Kiefern erzeugen Braunpelikane bei Angriffen einen knallenden Laut, der durch ihren dehnbaren Hautsack im Unterschnabel verstärkt wird.
Braunpelikane leben an den Küsten beider amerikanischen Kontinente. Am Pazifischen Ozean reicht das Brutgebiet von Nordkalifornien bis nach Chile, am Atlantischen Ozean von South Carolina bis Venezuela und schließt die Westindischen Inseln ein. Außerhalb der Brutzeit werden Braunpelikane von Kanada bis Feuerland gesehen.
Bezüglich der Migration der Braunpelikane werden unterschiedliche Verhaltensweisen angenommen. Während die Populationen vom nördlichen Golf von Mexiko vermutlich aufgrund der in der Region vorherrschenden milden Wintertemperaturen standorttreu sind, wandern die weiter nördlich angesiedelten Populationen – wie etwa diejenige aus South Carolina – gegen Ende des Jahres nach Süden, um dann im Spätwinter und Frühling wieder zu ihren Brutkolonien zurückzukehren. Eine ähnliche Abhängigkeit der Migrationsmuster von den jeweiligen Wetterbedingungen zeigen die Populationen in Florida. Beim Eintreffen von Kaltfronten verlassen die Braunpelikane die Westküste Floridas und siedeln in weiter südlich gelegene Regionen außerhalb der Vereinigten Staaten um.
Der Braunpelikan und sein naher Verwandter, der Chilepelikan (P. thagus), sind die einzigen Pelikanarten, die ausschließlich an Meeresküsten beheimatet sind. Sie werden nur äußerst selten im Binnenland angetroffen. Dabei bevorzugen Braunpelikane flache Meeresabschnitte oder Buchten und vermeiden die offene See. Für die Brut bevorzugt der Braunpelikan flache und kaum bewachsene Inseln oder trockene Küstenabschnitte. Während der Brutsaison entfernen sich die Tiere nur selten mehr als 20 km vom Land, um das Nahrungsangebot in den flacheren Küstengewässern auszunutzen. Darüber hinaus sind Braunpelikane häufig in der Nähe von Häfen anzutreffen, wo sie sich von Fischereiabfällen ernähren.
Unter den Pelikanen gehört der Braunpelikan gemeinsam mit dem Chilepelikan zu den einzigen Arten, die ihre Beute hauptsächlich tauchend erbeuten. Bei seiner Nahrungssuche erspäht er seine Beute aus der Luft und taucht dann von einer Höhe bis zu 20 Metern mit angelegten Flügeln ins Wasser. In der Abwärtsbewegung führt der Braunpelikan eine leichte Linksdrehung durch, vermutlich um die auf der rechten Halsseite gelegene Luft- und Speiseröhre beim Aufprall zu schützen. Sobald der Schnabel die Wasseroberfläche trifft, legt der Vogel seine Beine und Flügel nach hinten an, damit die Bewegung zur Beute hin nicht abgebremst wird. Gleichzeitig vermindern Luftpolster im Bauchbereich die Wucht des Aufpralls und verhindern das vollständige Eintauchen des Braunpelikans ins Wasser. Damit stehen den Tieren lediglich diejenigen Beutetiere zur Verfügung, die sie mit ihrem unter der Wasseroberfläche befindlichen Kopf und Schnabel erreichen können. Beim Eintauchen des Schnabels ins Wasser wird das Beutetier zwischen den oberen und unteren Kiefer gebracht und der Schnabel dann geschlossen. Das hierbei ebenfalls aufgenommene Wasser wird beim Auftauchen durch eine Drehung des Kopfes aus dem Schnabel befördert, sodass lediglich das Beutetier im Kehlsack verbleibt.
Eine 1987 durchgeführte Studie zur Erfolgswahrscheinlichkeit der von den Braunpelikanen angewandten Technik zum Nahrungserwerb ergab, dass die Häufigkeit eines erfolgreichen Beutesturzfluges linear proportional zum Alter der Tiere zunahm. Die Untersuchung legt nahe, dass erfahrenere Tiere den Sturzflug gewöhnlich in größerer Höhe beginnen und in einem geringeren Winkel auf das Wasser auftreffen. Darüber hinaus scheinen Braunpelikane die Spiegelung der Sonne auf der Wasseroberfläche dadurch zu vermeiden, dass sie sich während des Sturzfluges von der Sonne abwenden.
Die Nahrung des Braunpelikans besteht hauptsächlich aus Fischen – vor allem Amerikanischen Sardellen (Engraulis mordax) und Pazifischen Sardinen (Sardinops sagax), an der südöstlichen Küste der Vereinigten Staaten zu 90–95 % aus Atlantischen Menhaden (Brevoortia tyrannus) –, mitunter auch aus Wirbellosen. Die Tiere bevorzugen relativ flache Meeresabschnitte, in denen die Wassertiefe bis zu 150 Metern reicht. Studien in Kalifornien haben ergeben, dass die Nahrungssuche von Braunpelikanen eng an diejenigen Meeresgebiete gebunden sind, in denen durch Auftrieb nährstoffreicheres Tiefenwasser in höher gelegene Schichten transportiert wird, was zu einem vergleichsweise hohen Nahrungsangebot führt. Dabei besteht ein direkter Zusammenhang zwischen dem verfügbaren Nahrungsangebot und dem Bruterfolg der Tiere.
Braunpelikane sind ganzjährig gesellige Vögel, die in Gruppen brüten, schlafen, fliegen und nach Nahrung suchen. Die größten Brutkolonien von Braunpelikanen am Golf von Kalifornien zählen fünf- bis zehntausend Nester; die durchschnittliche Größe von Brutkolonien in den Vereinigten Staaten beträgt 141 Nester. Dabei nisten die Tiere häufig in der Nähe anderer Arten, die vergleichbare Ansprüche an den Lebensraum stellen, wie etwa Möwen, Reiher, Tölpel, oder Kormorane.
Bei der Annäherung von Fressfeinden fliehen Braunpelikane gewöhnlich. Wenn sie Säugetiere als potentielle Angreifer früh genug ausmachen, reagieren die Tiere mit einer Drohgeste, indem sie sich aufstellen, ihren Schnabel recken und schließlich mit den Flügeln schlagen. Bei fortgesetzter Annäherung ergreifen Braunpelikane die Flucht. Nistende Tiere flüchten vor Greifvögeln, die über dem Nest kreisen und kehren nach einer Weile zum Nest zurück oder landen auf einer nahen Wasserfläche. Gegenüber Nesträubern zeigen Braunpelikane dagegen nur selten Abwehrverhalten. Dicht über dem Nest fliegende Möwen werden mit dem Schnabel vertrieben.
Kämpfe zwischen Braunpelikanen finden nur äußerst selten statt. Individuelle Distanz zwischen Individuen und territoriale Abgrenzung werden durch schnelle Vorwärtsbewegungen des 6–10 Zentimeter geöffneten Schnabels sowie mit den Kiefern erzeugte knallende Laute erzielt.
Zu Beginn der Brutsaison besetzen männliche Tiere ihnen geeignet erscheinende Brutplätze. Sie verlassen diese Plätze zumeist so lange nicht, bis sich ein geeignetes Weibchen einfindet. Während ihres Wartens zeigen die männlichen Braunpelikane ein charakteristisches Schwingen des Kopfes, bei dem der Kopf und der geöffnete Schnabel in einer Schleife bewegt werden, die die Form des Unendlichzeichens nachzeichnet. Die durchschnittliche Wartezeit auf die weiblichen Tiere dauert zwischen zwei und vier Tagen, kann aber in Einzelfällen auch bis zu drei Wochen betragen.
Die Sammlung des Nistmaterials wird ausschließlich von männlichen Braunpelikanen durchgeführt, während sich die weiblichen Tiere um den Bau des Nestes kümmern. Das Nest kann sich entweder auf dem Boden befinden oder in Bäumen, wobei Baumnester gewöhnlich in oder nahe der Baumkrone angelegt werden. Die Bauzeit für ein Nest beträgt zwischen sieben und zehn Tagen, wobei einzelne Brutpaare ihr Nest auch schon in vier Tagen fertigstellen.
Das erste Ei wird gewöhnlich innerhalb von einem bis drei Tagen nach Fertigstellung des Nestes gelegt. Die durchschnittliche Gelegegröße beträgt drei Eier. Dabei liegen zwischen den einzelnen Eiablagen 24 bis 64 Stunden.
Beide Elternvögel bebrüten die Eier, wobei sie sich in Schichten von mehreren Stunden abwechseln. Das Bebrüten erfolgt durch die Schwimmhäute der Elterntiere – die Braunpelikane stehen während des Brutvorganges gewissermaßen auf ihren Eiern. Beim kalifornischen Braunpelikan (P. o. californicus) beträgt die Brutzeit zwischen 29 und 32 Tagen.
In den ersten sieben bis zehn Lebenstagen der Nestlinge werden diese von ihren Elterntieren mit vorverdautem und hochgewürgtem Futter versorgt. Später nehmen die Küken den Elternvögeln Fische aus dem Schnabel ab.
Zu den Nesträubern der Braunpelikane gehören Gelbfußmöwe (Larus livens), Lachmöwe (Chroicocephalus ridibundus), Silbermöwe (Larus argentatus), Dominikanermöwe (Larus dominicanus), Fischkrähe (Corvus ossifragus) und Kolkrabe (Corvus corax). Auf Nestlinge machen Dominikanermöwen, Gelbfußmöwen, Kolkraben, Weißkopfseeadler (Haliaeetus leucocephalus) und Waldstörche (Mycteria americana) Jagd. Unter den Säugetieren gehören Waschbären (Procyon lotor), Hauskatzen (Felis silvestris f. catus) und Haushunde (Canis lupus familiaris) zu den Nesträubern.
Erstgeborene Nestlinge des Braunpelikans töten ihre Geschwister häufig entweder direkt durch Picken mit dem Schnabel oder indirekt, indem sie sie an der Futteraufnahme hindern oder aus dem Nest stoßen. Nach einer 1992 in Florida durchgeführten Studie entfielen 30 % der Todesfälle von Nestlingen auf die direkte Einwirkung von Erstgeborenen, weitere 28 % auf die indirekte Einwirkung der Erstgeborenen.
Ausgewachsene Braunpelikane haben aufgrund ihrer Körpergröße nur wenige Fressfeinde; die Erbeutung adulter Vögel durch andere Tiere wird nur selten beobachtet. In einer Brutkolonie in Georgia wurden Weißkopfseeadler dabei beobachtet, wie sie zwei nistende Braunpelikane töteten. Adulte, auf dem Wasser schwimmende Braunpelikane werden gelegentlich von Haien oder Mähnenrobben (Otaria flavescens) angegriffen.
Zur Lebenserwartung von Braunpelikanen liegen nur wenige Erkenntnisse vor. Ralph W. Schreiber und Patrick J. Mock nehmen nach einer Auswertung von beringten Vögeln in North Carolina, South Carolina und Florida eine durchschnittliche Lebensdauer von 4 bis 7 Jahren an, wobei die häufigsten Todesfälle während der Migration der Tiere stattfanden und vor allem Jungtiere betrafen. Allein 30 % der als Nestlinge und Juvenile beringten Individuen erreichten ein Alter von mehr als 12 Monaten und weniger als 2 % erreichten ein Alter von 10 Jahren. Die längste bisher gemessene Lebensdauer erreichte ein Braunpelikan, der 43 Jahre nach seiner Beringung tot aufgefunden wurde.
Etwas mehr als die Hälfte der von Schreiber und Mock ausgewerteten und klar zuzuordnenden Todesfälle waren auf menschliche Ursachen zurückzuführen, wobei die häufigste Todesursache das Verfangen der Tiere in Fischernetzen oder der Abschuss durch Jäger war. Die übrigen Todesfälle waren auf natürliche Ursachen wie Fressfeinde, Krankheiten und Verhungern zurückzuführen.
Die Klassifizierung des Braunpelikans war über einen langen Zeitraum hinweg unklar. Carl von Linné führte alle Pelikane bis zur zehnten Auflage seines Werkes Systema Naturae unter der Artbezeichnung Pelecanus onocrotalus. Erst in der 1766 erschienenen zwölften Auflage der Systema Naturae beschrieb Linné den Braunpelikan als eigenständige Art unter der Bezeichnung Pelecanus occidentalis. Der deutsche Naturforscher Johann Friedrich Gmelin fasste in seiner Neuauflage von Linnés Systema Natura aus dem Jahr 1789 den heute als eigenständige Art angesehenen Chilepelikan (P. thagus) mit dem Braunpelikan als Art zusammen. In seinem 1884 veröffentlichten Werk The Water Birds of North America beschrieb Robert Ridgway P. o. californicus erstmals als Unterart. Laut eigener Aussage erkannte Alexander Wetmore bereits um das Jahr 1925 zusammen mit seinem Kollegen Charles W. Richmond, dass die Braunpelikane der Insel Hispaniola aufgrund ihrer geringeren Größe zu einer eigenen Unterart gehören mussten, veröffentlichte seine Beobachtungen jedoch nicht. James L. Peters unterschied in seiner 1931 erschienenen Check-list of Birds of the World die Unterarten occidentalis, carolinensis, californicus sowie thagus. Die heute allgemein anerkannte Unterscheidung der Unterarten des Braunpelikans fußt auf Wetmores 1945 veröffentlichtem Aufsatz A Review of the Forms of the Brown Pelican. J. Bryan Nelson zweifelte in seinem 2006 erschienenen Band Pelicans, Cormorants, and their Relatives die Eigenständigkeit der Unterart urinator an und George R. Angehr und James A. Kushlan vermuteten 2007 aufgrund von Unterschieden im Körperbau und im Verhalten, dass es sich bei den Braunpelikanen im Golf von Panamá um eine eigene Unterart handelt.
Der Braunpelikan gehört zu den acht Arten der monotypischen Familie der Pelikane (Pelecanidae). Er ist eng mit dem Chilepelikan (P. thagus) verwandt, der anfänglich als Unterart von P. occidentalis angesehen wurde. Aufgrund dessen größerem Körpermaß, Unterschieden in der Gefiederfarbe und der Tatsache, dass der Braunpelikan und der Chilepelikan sich in überlappenden Verbreitungsgebieten an der Pazifikküste Südamerikas nicht miteinander paaren, geht man seit dem Jahr 2007 von zwei voneinander getrennten Arten aus. Neuere genetische Untersuchungen bestätigen das Schwestergruppenverhältnis. Mit den Methoden der molekularen Uhr ergibt sich eine Aufspaltung (Allopatrische Artbildung) vor rund 0,77 Millionen Jahren, mit einer methodischen Schwankungsbreite von 0,64 bis 1,54 Millionen Jahren. Aufgrund ihres dunkleren Gefieders, ihrem ausschließlich marinen Lebensraum und der lediglich von diesen beiden Arten praktizierten Methode des Stoßtauchens wurde bereits mehrfach vorgeschlagen, dass P. thagus und P. occidentalis enger miteinander verwandt sind als alle anderen Unterarten und damit eine besondere Stellung in der Familie der Pelecanidae einnehmen. Nach den genetischen Analysen ist nächstverwandte Art der Nashornpelikan, so dass alle Neuweltarten eine Klade bilden.
Basierend auf Wetmores Studie aus dem Jahr 1945 werden heute fünf Unterarten unterschieden, die sich vor allem in ihrer Gefiederfarbe, der Farbe des Schnabels und ihren Körpermaßen unterscheiden.
Der Braunpelikan war Anstoß für die Einführung wesentlicher Instrumente des Artenschutzes in den Vereinigten Staaten. Bereits die Gründung des ersten National Wildlife Refuge 1903 in Florida diente zum Schutz der Art. Hauptursache für die Bedrohung des Braunpelikans im späten 19. und beginnenden 20. Jahrhundert war die starke Nachfrage nach Vogelfedern, die als Schmuck von Damenhüten Verwendung fanden. Nachdem mit dem Aufkommen von Vogelschutzorganisationen wie der Audubon Society und deren Öffentlichkeitskampagnen ein Umdenken eingesetzt hatte und die Nachfrage nach Vogelfedern abnahm, drohte dem Bestand des Braunpelikans mit der Fischerei im Ersten Weltkrieg eine neue Gefahr. Das Militär der Vereinigten Staaten versorgte seine Soldaten mit großen Mengen von Sardinen in Dosen und entzog damit den Braunpelikanen eine ihrer Nahrungsgrundlagen. Als die Sardinenbestände schließlich zurückgingen, machten sich die Fischer daran, Braunpelikane zu Tausenden zu töten, weil sie diese als Konkurrenten in der Ausbeutung der Fischbestände wahrnahmen.
Seit 1970 standen Braunpelikane in den Vereinigten Staaten bundesweit unter Artenschutz nach dem Endangered Species Conservation Act, einem Gesetz, das 1973 im Endangered Species Act aufging. Wesentlicher Grund war die Gefährdung durch die Anreicherung von Pestiziden, insbesondere DDT, in der Nahrungskette, die den Stoffwechsel der Tiere störte und zu dünnschaligen Eiern führte. Dies und der Umstand, dass Braunpelikane bei der Brut mit ihren Füßen auf den Eiern stehen, führte über die Zerstörung der Gelege zu erheblichen Bestandseinbrüchen in den späten 1950er und den 1960er Jahren. Die zuvor bedeutsamen Brutkolonien in Texas und Louisiana verschwanden vollständig, die Zahl der Braunpelikane in Kalifornien ging dramatisch zurück und allein in Florida hielten sich größere Kolonien der Tiere. Vor Inkrafttreten der Schutzmaßnahmen war der Bestand der Braunpelikane in den Vereinigten Staaten damit erheblich dezimiert.
Nach dem Verbot von DDT im Jahr 1972 und einer Reihe von erfolgreichen Wiedereinbürgerungsmaßnahmen erholten sich die Bestände bis 1985 soweit, dass die Art in Georgia, Florida, South Carolina und in der Küstenregion von Alabama von der Liste des Bundes gestrichen und in die Zuständigkeit der einzelnen Staaten zurückgegeben werden konnte. Im November 2009 konnte der U.S. Fish and Wildlife Service auch im Rest des Verbreitungsgebietes, insbesondere der Pazifikküste in Kalifornien, der Golfküste in Louisiana und Texas, sowie den Karibischen Inseln unter US-Hoheit, den Schutz durch den Bund aufheben.
Die Gesamtpopulation des Braunpelikans wird von Wetlands International auf einen ungefähren Wert von 350.000 bis 400.000 Individuen geschätzt. Dabei ist diese Zahl mit Vorsicht zu handhaben, da die Angaben zu den einzelnen Unterarten aus unterschiedlichen Jahren stammen und teilweise auf groben Schätzungen basieren. Für californicus als die mit Abstand zahlreichste Unterart liegen die genauesten Zahlen vor. Eine 2013 veröffentlichte Studie kommt für das Jahr 2006 auf eine Zahl von rund 195.900 ± 7.200 Individuen, wobei die Autoren der Studie davon ausgehen, dass diese Zahl eher zu hoch gegriffen sein dürfte, da die Population von Umwelteinflüssen wie dem Wetterphänomen El Niño und einem zunehmenden Verlust von Brutgebieten durch Landwirtschaft und Tourismus beeinflusst wird. Für die übrigen Unterarten werden die folgenden Bestandszahlen angenommen (in Klammern das Jahr der Schätzung): carolinensis 120.000 (1999), murphyi 20.000–60.000 (2011), occidentalis 4.930–18.400 (2006/2007) und urinator 5.000 (ohne Jahr).
Angesichts des geografisch weiten Verbreitungsgebietes und der vergleichsweise hohen Bestandszahlen wird der Braunpelikan von der IUCN inzwischen als „nicht gefährdet“ (least concern) eingestuft. Die Bestandserholung des Braunpelikans wird heute als ein herausragendes Beispiel für erfolgreichen Artenschutz angesehen.

Karl Ludwig Friedrich (Baden)

Karl Ludwig Friedrich (* 8. Juni 1786 in Karlsruhe; † 8. Dezember 1818 in Rastatt) war Großherzog von Baden; seine Regierungszeit begann am 10. Juni 1811.

Karl Ludwig Friedrich war der Sohn von Karl Ludwig von Baden und Amalie von Hessen-Darmstadt. Bereits als 25-Jähriger wurde er in die Regierungsverantwortung genommen, nachdem sein Großvater Karl Friedrich 1811 verstorben war. Karls Vater war bereits 1801 auf der Rückreise von Russland bei Arboga Schweden tödlich verunglückt.
Als junger, regierender Fürst fand sich Karl alsbald zwischen stark divergierenden Parteien gestellt. Politische Kontrahenten aus den höheren Kreisen von Adel und Kirche, die ihm mit deren prinzipiellen Forderungen das autonome Regieren ggf. sehr erschwerten. Einerseits hatte Karl sich seit seiner Heirat mit der Adoptivtochter Napoleons – Stephanie Louise Adrienne de Beauharnais – im Jahre 1806 dem französischen Kaiser gegenüber immer als gefügig zu erweisen, letztendlich war er dessen Schwiegersohn geworden. Andrerseits gab es auch die Interessen der deutschen Fürsten im Deutschen Bund, spaeter auch der fürstlichen Teilnehmer am Wiener Kongress von 1814/1815. Zudem gab es bereits Anfang des neunzehnten Jahrhunderts Bestrebungen zur Vereinsbildung, zur Liberalisierung bzw. Demokratisierung innerhalb des badischen Volks, die aber alle Neuerungen enthielten, über deren gesundheitlichen Auswirkung für das badische Volk im einzeln zu entscheiden war. So wurden z.B. die straffen, noch während der Regierung seines Großvaters – Karl Friedrich von Baden – festgesetzten Bedingungen des badischen Pressegesetzes angefochten. Nach intensiver Beratung – u.a. mit den Staatsräten und auch mit seinem Lehrer, dem Oberhofprediger Johann Leonhard Walz – hat Karl es erstmal unverändert gelassen.
Zumindest durch seine Erziehung wurde Karl aber sehr gut auf sein bevorstehendes Herrscheramt vorbereitet. Zum Erziehungsgremium zählten u.A.: Geheim Referendar und Kryptologe Prof. Johann Ludwig Klueber : Rechte / Staatswissenschaften, Prof. Christoph Emanuel Hauber : Mathematik und Physik, Hofrat Johann Lorenz Boeckmann : Mathematik und Physik, Prof. Johann August Schlettwein : Nationalökonomie / Physiokratie, Pierre Samuel Du Pont de Nemours : Oekonomie / Physiokratie. Dazu kam der obengenannte Oberhofprediger Johann Leonhard Walz : Religion / Geschichte / Schöne Wissenschaften. Bestandteil der Erziehung waren fernerhin: Deutsch, Französisch, Politik, Waffenkunde (Blasonierie) sowie Moral, Ethik, und Benehmen als Umgangsform.
Dass er von Außenstehenden / Historikern als schwach eingestuft wurde, ist wohl eher sein fein abschätzendes Benehmen als irgendeine Charakterschwäche zuzuschreiben. Gemäß der Natur seiner Person ließ sein Verhalten vielmehr Feinsinnigkeit und Umsichtigkeit in der Urteilsbildung erkennen, als schroffe Extrovertiertheit. Dies wird u.A. von dem Zeitgenossen Staatsrat Wilhelm Reinhard bezeugt.
Doch konnte der Großherzog auch sehr willensstark sein. Als er im Jahr 1813 das Bündnis mit Napoleon beendete und zur Allianz der Gegner Napoleons wechselte, forderten diese, dass sich Karl von seiner Frau Stephanie de Beauharnais trennen solle. Er weigerte sich, sich zu trennen, obwohl sie bisher offenbar keine gesunden, männlichen Erben geboren hatte und die Ehe in den ersten Jahren nicht sehr glücklich gewesen war. Seine Weigerung hätte schwerwiegende Folgen haben können, wenn er nicht Bruder der russischen Zarin Elisabeth Alexejewna (geboren Louise von Baden) gewesen wäre. Die Zarin setzte sich für ihr Heimatland bei ihrem Gemahl ein und half so ihrerseits den Bestand des Großherzogtums zu sichern.
Großherzog Karl Ludwig Friedrich von Baden hat kurz vor seinem Hinscheiden per offiziellem Erlass die Erbfolge für das damalige großherzogliche Haus von Baden innen- sowie außenpolitisch sichergestellt. Auch hat er dem Land Baden die damals modernste Verfassung (1818) hinterlassen.
Karl heiratete am 8. April 1806 die Adoptivtochter von Napoleon Bonaparte und Tochter von Claude de Beauharnais, die Kaiserliche Prinzessin Stéphanie de Beauharnais (1789–1860). Aus der Ehe gingen folgende Kinder hervor:
Karl hatte keine überlebenden männlichen Nachfahren. Deshalb übernahm nach seinem Tod 1818 sein Onkel Ludwig I. den Thron.

Marko Zdralek

Marko Zdralek (* 8. Dezember 1973 in Bad Griesbach im Rottal) ist ein deutscher Komponist und Musikwissenschaftler.

Nach dem Abitur am St.-Gotthard-Gymnasium in Niederalteich (Absolvia 1993) absolvierte er ein Studium für Musik für das Lehramt an Gymnasien an der Staatlichen Hochschule für Musik in München, das er im Jahre 2001 mit dem ersten Staatsexamen abschloss. Zudem studierte er an der Ludwig-Maximilians-Universität München die Fächer Musikwissenschaft, Philosophie und Germanistik. Ab 1998 erweiterte er sein Studium um das Fach „Komposition“ an der Staatlichen Hochschule für Musik Würzburg in der Kompositionsklasse von Heinz Winbeck.
Zdralek unterrichtete Musiktheorie, Analyse und Musikgeschichte an den Musikhochschulen Würzburg, Nürnberg und der Musikschule Regensburg. Derzeit lehrt er an der Akademie für Tonkunst Darmstadt und hat seit 2010 eine Professur an der Hochschule für evangelische Kirchenmusik Bayreuth inne.
Als Komponist beschäftigt er sich mit neuen Formen des Musiktheaters (z. B. Musik-Tanztheater „Sansara“ (2002), „monumentum aquae“ (2006)). Daneben spielt bei Zdralek die Idee des Werkzyklus eine wichtige Rolle (z. B. das fünfteilige Projekt „Terra deserta“).
Für sein künstlerisches Schaffen erhielt Zdralek im Jahre 2006 den Bayerischen Staatspreis zur Förderung junger Künstler, wobei der Laudator folgendes hervorhob: „Nie würde sich Zdralek vordergründig irgendwelchen effektvollen Modetrends anschließen. Vielmehr versucht er stets, den Dingen auf den Grund zu gehen. Seine von faustischem Forscherdrang geprägte Herangehensweise schlägt sich in allen Kompositionen nieder.“

Wilfried Hofmann (Politiker)

Wilfried Hofmann (* 19. Februar 1947 in Osterburg) ist ein deutscher Politiker (FDP). Er war von 1990 bis 1994 Mitglied im Landtag Sachsen-Anhalt.

Wilfried Hofmann besuchte 1953 bis 1961 die Grundschule und legte nach dem Besuch der EOS 1965 das Abitur ab. 1968 schloss er die Ausbildung zum FA-Bankkaufmann ab und arbeitete 1965 bis 1969 als Angestellter. 1969 bis 1988 arbeitete er als Erzieher bzw. Lehrer. 1974 legte er das Staatsexamen Jugenderzieher ab und machte 1987 einen Abschluss als Dipl.-Lehrer und Dipl.-Philosoph. 1987/88 war er Dozent für Philosophie und Rhetorik an der Zentralen Parteischule der LDPD „Dr. Wilhelm Külz“ in Bantikow.
Wilfried Hofmann ist evangelischer Konfession, verheiratet und hat zwei Kinder.
Wilfried Hofmann war Mitglied der LDPD. In der Wende war er ab März 1990 Landesgeschäftsführer der FDP-Ost Sachsen-Anhalt, ab August 1990 stellvertretender Landesgeschäftsführer FDP Sachsen-Anhalt und Mitglied des Landesvorstandes. Er wurde bei der ersten Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 1990 über die Landesliste in den Landtag gewählt. Er war bildungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion.
Hofmann verließ die FDP und deren Fraktion und schloss sich dem Bund freier Bürger an. Im Parlament war er zunächst fraktionslos. Im Jahr 1994 schloss Wilfried Hofmann sich mit den ehemaligen Mitgliedern der aufgelösten DS-Fraktion (Deutsch Soziale Fraktion, Nachfolgerin der DSU-Fraktion), der Vorsitzenden der Steuerzahlerpartei Bärbel Ballhorn und Gerd Brunner zur Fraktion Unabhängiger Abgeordneter (FUA) zusammen.

Josef Çınar


Josef „Jupp“ Çınar bzw. Josef „Jupp“ Cinar (* 22. Januar 1984 in Bremen) ist ein deutsch-türkischer Fußballspieler mit aramäischer Abstammung.

Josef Cinar ging in Gütersloh zur Schule und spielte in der Jugend des FC Gütersloh. In der A-Jugend wechselte er zum VfB Fichte Bielefeld, wo er danach bis 2004 auch der Oberliga-Mannschaft des Vereins angehörte. Dann wechselte er innerhalb der Liga zum SC Verl. Es dauerte bis zu seinem dritten Jahr, bis er sich in der Mannschaft festgespielt hatte. In dieser Saison gelang dem Club der Aufstieg in die Regionalliga Nord als souveräner Meister mit nur 28 Gegentoren in 34 Partien. In der Saison 2007/08 war Cinar zwar wieder Stammspieler und dazu Kapitän der Mannschaft, konnte aber auch nicht verhindern, dass Verl als Tabellenvorletzter gleich wieder von der dritten in die vierte Spielklasse abstieg.
Danach wechselte der großgewachsene, kräftige Innenverteidiger auch aus beruflichen Gründen zum Liganachbarn Eintracht Trier. Dort war er sofort ebenfalls Stammspieler und bekam auch die Kapitänsbinde. Nach zwei Jahren in den unteren Tabellenregionen verpasste der Verein in seinem dritten Jahr den Aufstieg in die 3. Liga als Tabellenzweiter nur knapp.
Çınar bekam aber ein Angebot des Drittligisten Wacker Burghausen, der mit der zweitschlechtesten Abwehr der 3. Liga einen Führungsspieler für die Verteidigung suchte. Er unterschrieb ab 2011 für zwei Jahre mit Option auf Verlängerung um ein Jahr.
Nach zwei Jahren in Burghausen wechselte Çınar 2013 zum Ligakonkurrenten Chemnitzer FC und erhielt einen Vertrag bis 2015. In der Hinrunde der Saison 2013/14 kam Cinar zu 16 Einsätzen und erzielte dabei ein Tor. Im Januar 2014 wurde der Vertrag auf seinen Wunsch hin vorzeitig aufgelöst.
Im Frühjahr wechselte Çınar in die türkische Süper Lig zu Kayseri Erciyesspor. Zur nächsten Saison heuerte er beim Zweitligisten Gaziantep Büyükşehir Belediyespor an.
Zusätzlich engagiert sich Josef Çınar seit 2013 bei Show Racism the Red Card- Deutschland e.V. Im Oktober beteiligte er sich bei einem Workshop der Bildungsinitiative und berichtete den Schülern und Schülerinnen über seine eigenen Erfahrungen mit Rassismus und Diskriminierung.
Alanzinho | İskender Alın | Onur Alkan | Harun Biçer | Ufuk Budak | İshak Çakmak | Josef Çınar | Talha Demir | Aykut Erdoğan | Muhammed Himmet Ertürk | Ahmet Sabri Fener | Benjamin Fuchs | Fatih Gülmez | Erdal Güneş | Şehmus Kaya | Oğuzhan Kayar | Foxi Kéthévoama | Nemanja Kojić | Francis Litsingi | Bara Mamadou Ndiaye | Yasin Ozan | Nikola Raspopović | Erkam Reşmen | Gökhan Sazdağı | Umut Sönmez | Adam Stachowiak | Yenal Tuncer | Ibrahima Wadji | Murat Yıldırım | Serkan Yanık
Trainer: Bayram Bektaş